Presse- & Erlebnisberichte

 

Sie finden in dieser Rubrik aktuelle Presseberichte sowie Printanzeigen aus Fach- und Tageszeitungen. Mit Erlebnisberichten unserer Kunden möchten wir Ihnen zusätzlich Erfahrungen aus erster Hand mit unserem Hause zur Verfügung stellen.

Gut gepanzert durch die Jugendzeit – Ein Erlebnisbericht

Wenn ein Korsett die Wirbelsäule richten muss

von Lina Bande

Der grüne Linoleum-Fußboden ist mit einer türkisfarbenen Folie abgedeckt, in den Ecken des kleinen fensterlosen Raums stehen Kamerastative und Messgeräte. An den beigefarbenen Wänden hängen Plakate vom Aufbau der Halswirbelsäule und vom Körperbau eines Menschen. Auf einem der Plastikstühle in diesem Behandlungszimmer wartet der 16-jährige Max auf Orthopädietechnikmeister Matthias Steen. Kerzengerade sitzt der Teenager da und spielt mit seinem Smartphone, während die Gespräche aus dem Vorraum durch die offene Tür schallen. Laufend betreten Kunden das Sanitätshaus Medisan in Bremen-Vahr, sie holen Bandagen ab, tauschen Duschstühle um und kaufen Rollatoren. Viele lassen sich dabei in einen der Sessel neben der Eingangstür plumpsen oder stützen sich auf ihren Gehstock. Max passt nicht in diese Umgebung. Er ist topfit, schlank und fast 1,80 Meter groß. Und trotzdem ist sein Termin dringend: Heute wird sein neues Korsett angepasst, das alte ist zu klein geworden und drückt.

Herr Steen ist noch beschäftigt, und während er zwischen Werkstatt und Behandlungszimmer pendelt, begrüßt er Max schon einmal. Die beiden kennen sich seit fast zwei Jahren, bereits beim ersten Termin im Krankenhaus war er dabei.

Max leidet an Skoliose, einer Wirbelsäulenverkrümmung, die häufig durch zu schnelles Wachstum entsteht. Entdeckt wurde das eher zufällig, seine Kinderärztin schickte ihn Anfang 2012 nach einer Routineuntersuchung zum Orthopäden. Er solle das mal untersuchen lassen, das könne Skoliose sein, sagte sie und sollte Recht behalten: Beim Röntgen wurde eine Verkrümmung von 24° festgestellt. Ein Wert, bei dem eine sofortige Behandlung unbedingt nötig ist. Neben Physiotherapie kommt als Therapiemaßnahme in der Regel ein Chêneau-Korsett zum Einsatz. Dieses übt während des weiteren Wachstums gezielt Druck auf den Oberkörper aus. Eine Verschlechterung wird aufgehalten, im bestmöglichen Fall werden Krümmungen sogar korrigiert.

Schon seit Juni 2012 trägt Max so ein Korsett, bis zu 23 Stunden täglich. Doch weil er so schnell weiter gewachsen ist, übt das Korsett nicht mehr genug Druck auf die Brustwirbelsäule aus. Deshalb muss so bald wie möglich ein Neues her.

Auch Matthias Steen ist jetzt da, konzentriert beginnt er mit der Anpassung. Erst einmal überprüft er mit einem Scoliometer, einer Art Wasserwaage für die Wirbelsäule, die Krümmung, dann klebt er kleine rote Klebepunkte auf markante Stellen auf Max‘ Oberkörper. Dazu gehören z.B. die Beckenknochen und die Schulterblätter. „Das hilft beim Vermessen des Körpers und Asymmetrien können leichter erkannt werden“, erklärt er. Max muss sich vor ein Raster an der Tür stellen, dann projiziert Matthias Steen mit einem Laserlots ein Kreuz auf seinen Körper. Deutlich erkennt man, dass die linke Körperhälfte ein wenig herunter hängt – ein eindeutiges Zeichen von Skoliose. Zudem wird Max von allen Seiten fotografiert, damit die Behandlung genau dokumentiert werden kann.

Der wichtigste Teil für den passgenauen Bau eines Chêneau-Korsetts ist der folgende Gipsabdruck. Mit seinen nackten Füßen und mit einem langen Top aus Baumwolle  bekleidet stellt sich Max auf die Folie, bei jedem Schritt bleibt sie an den Füßen kleben. Das Top dient zum Schutz der ohnehin schon gereizten Haut, darüber werden die nassen Gipsbinden gelegt. Routiniert und flink wirbelt Herr Steen um Max herum, wickelt die langen Bandagen um den Oberkörper und über die Schultern. Mit seinen Händen modelliert er die Beckenknochen in den Gips, „hier muss das Korsett besonders eng und tailliert sitzen, dann verrutscht es nicht.“ Er versteht sein Handwerk und ist der einzige Orthopädietechniker in Bremen, der sich auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert hat.

Als er fertig ist, schneidet er den Gips schnell an der Seite auf, bevor er zu trocken und fest wird. Aus dem Abdruck wird später ein Rohentwurf des Korsetts gebaut, das dann aus dem wärmeverformbaren Kunststoff Polyethylen angefertigt wird. So können auch noch nachträglich Änderungen vorgenommen werden. Die Form des Korsetts wirkt bereits korrigierend, die Feinarbeit erledigen die innen angebrachten Pelotten. Das sind feste Schaumstoffteile, die den Druck auf bestimmte Stellen erhöhen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist dafür eine Öffnung in den Kunststoff gesägt. So kann der Patient weiterhin unbeschwert atmen.

In Max‘ Fall wird das Korsett mit einem Metallbügel vor der Brust und etwas tiefer angebrachten Klettstreifen verschlossen, wie ein Panzer sitzt es fest am Körper. Für den 16-jährigen ist das mittlerweile zur Normalität geworden. Zu Beginn sei es schwer gewesen, aber Freunde und Klassenkameraden seien sehr offen und positiv damit umgegangen. Genervt von seinem Korsett ist er nur selten. „Ich kann nur auf dem Rücken schlafen, das ist wirklich doof. Und der Sommer war hart!“ Das liegt vor allem daran, dass Max unter dem Korsett ein zweites T-Shirt tragen muss, eng anliegend und ohne Nähte, um Scheuerstellen zu vermeiden. Das sei sehr warm und anstrengend gewesen. Auch Bücken ist unmöglich, seine Schuhe zieht er an, bevor er das Korsett anlegt.

Herr Steen ist fertig, der Abdruck liegt auf dem Boden. Max wäscht sich noch Gipsreste vom Körper, dann zwängt er sich wieder in sein Korsett. Wie lange ihn dieses noch begleiten wird, ist ungewiss. Erst wenn das Wachstum vollständig abgeschlossen ist, braucht er es nicht mehr zu tragen. Beim Verlassen des Sanitätshauses geht er an einem Regal voller Korsett-Modelle vorbei, keines sieht aus wie das andere. In zwei Wochen wird er wieder hier sein, dann steht die Feinanpassung an.

Erlebnisbericht einer Begleitperson zum Gipsabdruck bei Skoliose (Seitliche Wirbelsäulenverkrümmung)

Copyright and writing by Lina Bande

Presse – Sanitätshaus Medisan

Magazin Gesundheit (Weser Report, 12.2018)

Stadtteilkurier (Weser Kurier, 12.2018)

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